KölnerLeben, September/Oktober 2005

Harte Krankheit

Die Eisenspeicherkrankheit gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten. Bei früher Diagnose und Therapie haben Patienten eine normale Lebenserwartung.

Für unseren Organismus ist Eisen ein lebenswichtiger Mineralstoff. Ein gesunder Erwachsener hat davon normalerweise zwischen 4 und 5 Gramm im Körper. Das meiste Eisen befindet sich im Blut, daher auch die rote Farbe.

Bei der Eisenspeicherkrankheit, eine Stoffwechselstörung, die unter Medizinern Hämochromatose genannt wird, nimmt der Körper mehr Eisen aus der Nahrung auf als er benötigt. Jeder 200. Einwohner Deutschlands ist davon betroffen; schätzungsweise 8 Millionen Bundesbürger tragen die Eisenspeicherkrankheit in sich, viele von ihnen, ohne es zu wissen. Jeder Betroffene kann die Krankheit an seine Nachkommen weiter vererben.

Doch was geschieht auf lange Sicht, wenn die Krankheit nicht frühzeitig erkannt wird?
Das Eisen setzt sich vor allem in der Leber ab, was langfristig zu einer Leberzirrhose führen kann, aber auch in der Bauchspeicheldrüse. Daraus resultiert häufig ein Diabetes mellitus. Die Haut verfärbt sich dunkel, besonders an Stellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Eisenablagerungen in der Hirnanhangdrüse führen schließlich zu Impotenz und bei Frauen zum Ausbleiben der Monatsblutung. Außerdem setzt sich das Eisen auch in den Gelenken ab, was Schmerzen und geringere Beweglichkeit verursacht.

Bei Männern treten erste Symptome wie ständige Müdigkeit, Gelenkschmerzen meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf; bei Frauen dagegen erst nach den Wechseljahren, weil sie bedingt durch Menstruation, Schwangerschaft und Stillen einen weitaus höheren Eisenbedarf haben. Im Falle eines Verdachts auf das Vorliegen einer Hämochromatose sollte der Arzt einen Gentest durchführen. Nur so kann die Krankheit präzise erkannt werden.

Verglichen mit den langfristig verheerenden Auswirkungen der Stoffwechselstörung, gibt es relativ einfache Therapiemöglichkeiten: Per Aderlass werden dem Körper die Eisendepots entnommen. Zwar gibt es auch eine medikamentöse Therapie, doch geht diese meistens mit Nebenwirkungen einer.

Unbehandelt führt die Hämochromatose zum Tod. Wird hingegen vor Auftreten einer Leberzirrhose und eines Diabetes mellitus eine Aderlasstherapie begonnen, haben Patienten eine Lebenserwartung wie gesunde Menschen auch.

Betroffene finden Zuspruch und wichtige Informationen bei der Hämochromatose-Vereinigung Deutschland e.V. Internet: www.haemochromatose.org

Quelle: KölnerLeben, September/Oktober 2005, Seite 27

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